Maren Meyer-Kohlus
 Zimmermeisterin
 Die Zimmerin
 Zimmerei Tignaria Tönning

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April 2010
Der Opferplatz
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An dieser Stelle können Sie mein Arbeitsfeld in der Hausrekonstruktion kennen lernen. Für das Steinzeitdorf vom AÖZA (Archäologisch-ökologisches Zentrum Albersdorf) werden in diesem Jahr einige neue Gebäude erstellt. Ich habe den Auftrag für zwei kultische Bauten, den eines Opferplatzes - der hier beschrieben wird- und eines Kulthauses in dem damalige Riten vollzogen wurden.

Bereits das Baumaterial sieht ganz anders aus.

Baumaterial
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Es geht um eine Rekonstruktion mit dem Ziel, den Besuchern anschaulich eine Idee zu vermitteln, wie diese Orte gestaltet waren.

Eine "echte" Rekonstruktion würde bedeuten, soweit bekannt, mit den damaligen technischen Mitteln zu arbeiten. Die Arbeit wäre selbst ein Forschungsprojekt und würde vielfach mehr Kosten haben als Gelder für die Erstellung der Bauten eingeworben werden konnten. Erst vor drei Wochen erfuhr ich bei einem Vortrag von Archäologen der Universität Hamburg, dass anders als bisher gedacht schon sehr früh Holznägel verwendet wurden. Diesen Hinweis werde ich nutzen, aber er macht eines deutlich: auch die bestdurchdachte Rekonstruktion verbindet Wissen mit Vermutung.

Weder standen den Menschen am Ende des Neolithikums Baumsägen zur Verfügung noch konnte ein Tieflader mit Kran die Bäume, den Werkstoff, anliefern. Der Ansatz, den ich zusammen mit meinem Auftraggebern umsetze, ist bescheidener. In Übereinstimmung mit den Bodenfunden soll ein Nachbau einen Eindruck des Opferplatzes vermitteln. An nicht sichtbaren Stellen wird es Spuren von Kettensägen und moderne Verbindungen geben. Keine echte Rekonstruktion, für die es aber absehbar auch nicht genügend Kenntnisse geben wird.

Das ist die Baustelle für den Opferplatz. Ob sich die Menschen damals mit Seilen und Kennzeichnungen eine Hilfskonstruktion schufen werden wir nie erfahren. Zu bedenken ist, Seile oder Fäden zu spinnen war vielfach aufwendiger. Auf der anderen Seite war die gesamte Arbeit schwieriger und es dürfte ihnen noch wichtiger gewesen sein, ergonomisch und effektiv Teil für Teil an die richtige Stelle zu verschaffen.

Der Befund nach dem ich arbeite lag vermutlich in einem flachen See. Unsere Seile zeigen den Verlauf des stegartigen Zugangs, hier wird die Wasserfläche später ausgebaggert.
Grundriss des Operplatzes

Hinweistafel am Bauplatz: Erläuterung zum Bau des Opferplatzes (PDF)

Grundlage des Steges
Hier richtet mein Geselle Peter die Basis für den stegartigen Zuweg aus.

Aus archäologischen Befunden ist bekannt, dass die Rinde von den Stämmen bei  Bauten entfernt wurde. Auch wenn es nicht sichtbar sein wird, hier folgen wir den Vorbildern, die später nicht sichtbaren Sägeseiten dagegen beließen wir.

Soweit es der Aufwand erlaubt versuche ich auch an verdeckten Stellen mit authentischem Material zu bauen.

Im Befund wurden zugeschlagene, gespaltene Wegbohlen gefunden. Ich nehme hierfür Spaltpfähle, die wir an den gesägten Seiten mit Stecheisen und Dechsel kaschieren.
Verlegen der Spalthölzer
Andere Projekte
Einpassen des Spaltholzes
Die Spalthölzer müssen exakt eingepaßt werden, damit sie sich beim Betreten nicht drehen und zum Stolpern führen. Auch wenn wir dies mit der Kettensäge machen ist es eine fummlige, zeitaufwendige Handarbeit.

Nun werden die Dachstützen vom Zentrum des Opferplatzes aufgestellt, Heino Hünken vom ÄOZA-Verein läßt sich nicht abhalten uns zur Hand zu gehen.
Im Fordergrund sehen sie den Schädel eines Ebers, den wir beim Aufbau im Erdreich fanden. Manchmal findet sich das Baumaterial vor Ort.

Schädelfund

Nachdem wir am Abend die Stämme als Basis für den Platz plaziert haben, ergibt sich erstmals ein anschauliches Bild der Konstruktion.
Dachstützen aufstellen
Einpassen des Spaltholzes
Mai Noch immer ist häufig das Wetter sehr nass, so dass ich oft auf Innenbaustellen ausweichen muss.
Rund um den zentralen Ort für das Opfer verläuft ein Steggrund aus Spaltholz innerhalb der Abgrenzung des religiösen Bezirkes durch eine Pallisadenwand.



Die Anlage des Platzes mit dem durch Pallisaden umgrenzenten Zuweg schafft eine besondere Atmosphäre, die im Juni erstmals deutlich wird.
Findlinge einkaufen
Juni Der Opferplatz kurz vor der Fertigstellung
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Pallisaden am Zuweg zum Opferplatz
Für das Vorhandensein einer Kultfigur gab es Hinweise aufgrund von Befunden bei anderen Ausgrabungen. Ich hatte hierfür nur eine skizzenhafte Darstellung. Sie zeigte das Objekt nur frontal, so setzte ich mich in die entsprechende Pose und wir erstellten Fotos mit Seitenblick.
Davon fertigten wir eine Skizze an, die wir auf die Frontvorlage und dann beide auf den Stamm skalierten. So hatte ich ein paar Anhaltspunkte um dann die Figur mit dem Stechbeitel auszuarbeiten.
Mittels Bildbearbeitung erzeugte Vorlagen für die Kultfigur
  Der Bau des Opferplatzes schreitet weiter voran. Parallel hierzu hat Rolf Gabler-Mieck von der Universität Kiel den Bauort vermessen. Eine dreidimensionale Simulation (siehe Abb. unten, Ausschnitt, erstellt: Gabler-Mieck, 2010) soll den Aufbau der Anlage vermitteln. Berichtet wird darüber auf einer Tagung der AG GIS-Küste im September.
Juli  Opferplatz in der Animation Gabler-Mieck, Uni Kiel 2010
Opferplatz, Vergleichsbild zur Animation, Meyer-Kohlus 2010
Erstellt: 03.01.2011 Gestaltung und Konzept: GeoConsult GeoConsult Kohlus Opferplatz: Enthuellung der Kultfigur, Albersdorf 2010
Und nach langer Zeit ist der Opferplatz im Juli 2010 fertig gestellt. Zusammen mit meinen Mitarbeitern wird die Kultfigur enthüllt.



Zu guter letzt werden noch einige Töpfe und Knochen als Opfergabe von mir im Zentrum des Platzes abgelegt.
Opferplatz: Enthuellung der Kultfigur, Albersdorf 2010